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Interview mit Christoph Zachariae (Ödland/Lucid Dreams) + GEWINNSPIEL

 

Hallo ihr Lieben!

 

Nach dem lange kein Interview mehr auf meinem Blog online gegangen ist, habe ich mir Christoph Zachariae, den Autor der Dystopie Reihe „Ödland“ geschnappt und ihm ein paar Fragen gestellt.

„Ödland I“ habe ich im April diesen Jahres zusammen mit meinem Freund gelesen und fand es absolut genial!
HIER findet ihr meine Rezension.
Leider hat mir bis jetzt die Zeit gefehlt den nächsten Band zu lesen, aber weiterlesen möchte ich auf jeden Fall.

Am Ende des Interviews wartet übrigens noch ein Gewinnspiel auf euch.

 

 

Magst du dich kurz selbst vorstellen?

 

Sehr gern. Ich bin Christoph Zachariae, wohne in Berlin und bin Autor der ÖDLAND-Reihe, deren fünfter und letzter Band DAS LABYRINTH gerade erschienen ist.
Sowohl als Autor, als auch als Leser mag ich fantastische Geschichten, Romane und Graphic Novels, die düster und romantisch sind.

Ich habe an der Filmakademie Ludwigsburg studiert und sehr lang gedacht ich müsste Regie führen. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich das geschriebene Wort bevorzuge. So bin ich über das Schreiben von Drehbüchern, zu Hörbüchern und schließlich zum Roman gekommen. Die Entscheidung eine Reihe als Debut zu wählen, war keine freiwillige. Ursprünglich sollte es nur ein Buch werden, aber ich schweifte ab und die Geschichte wurde länger und länger.

Ich liebe es die Natur zu durchstreifen. Einmal pro Woche muss ich in den Wald, oder an einen See, sonst bekomme ich Entzugserscheinungen. Es könnte eine Sehnsucht sein, die mir aus meiner Pfadfinderzeit geblieben ist. Für den Sommer plane ich eine Trekkingtour durchs norwegische Hochland.

Hauptberuflich bin ich Kameramann für Image- und Werbefilme. An den Romanen hängt mein Herz, aber mit den Kamerajobs bleibe ich flexibel und kann Durststrecken überbrücken. Noch hatte ich nicht den Mut die Kamera an den Nagel zu hängen und nur noch Autor zu sein, langfristig ist das aber geplant. Ein langgehegter Wunschtraum.

In der Freizeit lese ich gern, schaue Serien und spiele Computerspiele. Wenn das Wetter gut ist, gehe ich raus und skate, oder mache Fotos.

 

Was hat dich zu Ödland inspiriert? Wie bist du auf die Idee gekommen? Gibt es vielleicht auch bestimmte Orte, die dich an dein geschaffenes Ödland erinnern?

 

Im Oderbruch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Moore in denen seltsame, auf der gleichen Höhe abgebrochene Birkenstämme stehen. Sie erinnern mich immer an die Wälder, die das Tunguska-Ereignis 1908 in Sibirien hinterlassen hat. Man weiß bis heute nicht was damals geschehen ist. Die Theorien reichen von einem Meteoriteneinschlag, über eine nukleare Explosion bis zur Ankunft von Außerirdischen. Was es auch war, so stelle ich mir das Moor aus Ödland 2 vor, mit abgebrochenen Birken.

Es gibt eine ganze Reihe postapokalyptischer Filme, Comics und Bücher, die mich als Jugendlicher nicht mehr losgelassen haben. Die Langsamkeit des Films Briefe eines Toten von Konstantin Lopuschanski hat mich z. B. geprägt. Die Kellergemeinschaft aus ÖDLAND hat hier ihre Wurzeln. Genau wie im Film wirkt sie ausgelaugt und müde, weil sie ohne Licht und ohne Hoffnung unter der Erde leben muss. Körperliche Energie ist wertvoll und muss gespart werden, wo immer es geht. Für heutige Verhältnisse ist der Film unerträglich langsam, damals war dies das Erzähltempo russischer Filmkunst und großer Melancholie. Tarkowskis Stalker ist ein weiteres Meisterwerk dieser Epoche.

Später habe ich die Erzählung Picknick am Wegesrand und die Werke der Gebrüder Strugatzki für mich entdeckt. Nicht alles von ihnen ist genießbar, aber einige ihrer Werke sind heute große SF-Klassiker.

Ursprünglich sollte ÖDLAND ein historischer Roman werden und im dreißigjährigen Krieg spielen. Ich habe die Schlachten und das Söldnerwesen studiert und zahlreiche Romane gelesen, die in der Zeit spielen, z. B. Heimito von Doderers Ein Umweg oder aus der Zeit stammen, wie Grimmelshausens Simplicissimus. (Die „Neuübersetzung“ aus dem Deutschen des 17. Jhd. von Reinhard Kaiser.)

Irgendwann habe ich den Stoff in eine undatierte Zukunft verlegt und eine Endzeit-Reihe aus ihm gemacht. Söldnerbanden, Erbarmungslosigkeit und verbrannte Erde sind geblieben, alles andere habe ich an die heutige Zeit angepasst, die mir näher ist.

Während meines Germanistikstudiums musste ich den Pflichtkurs Mediävistik belegen. Die Sprache des Mittelalters ist ein verschrobenes Sammelsurium, dass heute kein Mensch mehr versteht. (Mediävisten ausgenommen.) Und so verschroben, wie sie gesprochen haben, haben sie auch gedacht. Die Menschen waren im Schnitt dümmer und weniger aufgeklärt, als sie es heute sind. Der moderne Mensch macht die gleichen Fehler, aber seine Denkweise ist mir näher, deshalb habe ich mich für den Transfer in die Zukunft entschieden.

 

Schon beim Lesen von Band 1 hatte ich das Gefühl, dass hinter „Ödland“ sehr viel Recherche Arbeit steckt, aber dass es so viel ist: Wow!

Wie lange hast du recherchiert, bist du tatsächlich angefangen hast zu schreiben und viele Bücher etc. hast du ungefähr/geschätzt dafür gebraucht?

Hast du vielleicht sogar länger an der Recherche als am Schreiben gesessen?

 

Die Recherche war nicht länger, als der Schreib- und Überarbeitungszeitraum, hat mich aber auch eine ganze Weile beansprucht. Etwa ein Jahr lang habe ich an der Storyline der Reihe gearbeitet, mir Ausstellungen zum Dreißigjährigen Krieg angesehen und Bücher gelesen. Ich habe eine Menge Endzeitromane verschlungen, unter anderem ältere, wie Z wie Zacharias oder deutsche, die man nicht direkt als Inspirationsquelle vermuten würde, wie Die letzten Kinder von Schewenborn. Ich mag die unerbittliche Härte in Pausewangs Büchern.

Ich kann nicht mehr genau sagen, was ich in der Zeit alles gelesen habe, aber es war eine Menge. Beeindruckt hat mich auch Der Wehrwolf von Hermann Löns. Man muss ihn mit Mundschutz lesen, um ihn genießen zu können, denn sowohl der Autor, als auch die Rezeption sind verseucht, aber Löns hatte ohne jeden Zweifel ein Gespür für Spannung und das Werk besitzt eine hitzige Fieberkurve. Obwohl ich mit Brecht eher auf Kriegsfuß stehe kam ich an Mutter Courage nicht vorbei. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen und sogar der Kannibalismus erwähnt, den es damals tatsächlich gegeben hat. Es wird spürbar, das Menschen unter dem Krieg leiden und sich durch ihn verändern.

Recherche ist wichtig, man kann sich mit Wissen füllen, aber sobald man zu Schreiben beginnt muss man die gesammelten Erkenntnisse wieder vergessen. Auf keinen Fall darf man beim Lesen den Eindruck bekommen, dass nur sorgfältig recherchierte Fakten aneinandergereiht werden. Man darf „das Papier nicht rascheln hören“, sagt man in der Filmbranche. Das ist der Tod jeder Spannung. Wichtiger ist es sich in Figuren und Situationen hineinzuversetzen und sie so authentisch wie möglich zu gestalten. Prämissen können verrückt sein, Figuren müssen nachvollziehbar reagieren.

 

Da du die Geschichte aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählst (Hagen und Mega), wie hat es sich für dich angefühlt, dich in die beiden hineinzuversetzen? Gerade da die beiden doch sehr unterschiedlich sind. Ist es dir schwer gefallen, zwischen den einzelnen Kapiteln umzudenken?

Und: wie hat es sich für dich angefühlt die brutalen Szenen zu schreiben? Gerade da es auch um Kannibalismus geht.

 

Im ersten und zweiten Buch sind es die Perspektiven von Mega und Hagen, Protagonistin und Antagonist, ab dem dritten Buch kommen weitere hinzu. Ich mag die Einschränkung, der man sich aussetzt. Es fällt schwerer den Antagonisten zu hassen, wenn man etwas über sein Innenleben erfährt, wenn man erkennt, dass er menschliche Regungen hat.

Die Limitierung kann unangenehm sein, wenn man sie ernst nimmt. Darf Mega z.B. den Vergleich zu einem Riesenkalmar (ÖDLAND II, Kap. 16 – Der Weg zurück) denken? Wir sind in ihrem Kopf und sie hat nie einen gesehen. Sie könnte eine Abbildung in einem Buch von Dr. Kamura gesehen haben, aber würde sie dann diesen Vergleich ziehen? Wenn man sich wirklich an die Perspektive hält, muss man Einschränkungen hinnehmen.

Die Perspektive „springt“ nicht, wie bei auktorialen Erzählern, was Orientierung und Lesefluss verbessert. Ich kann mich darauf verlassen, dass ich bis zum Ende eines Kapitels in der Nähe der Figur bleibe aus deren Perspektive erzählt wird. Die „Verlässlichkeit“ spürt der Leser und das gewonnene Vertrauen stärkt die Bindung.

Da ich das Alter der Figuren und ihre Erfahrung berücksichtige hat sich Hagens Perspektive grundsätzlich düsterer und härter angefühlt. Mega gibt die Hoffnung niemals auf. Für Hagen ist Hoffnung ein Fremdwort. Mega mochte ich vom ersten Moment an, weil sie dickköpfig und widerborstig ist. Sie ist eine verlässliche, treue Freundin geworden. Hagen faszinierte mich, weil er ein raffinierter Taktiker ist und weil seine Pläne grundsätzlich erfolgreich sind. Mit ihm durchs Ödland zu ziehen ist allerdings eine Erfahrung auf die ich in der Realität lieber verzichten würde.

Das Umdenken zwischen den Figuren ist kein Problem. Man nimmt ein Grundgerüst mit, ein kleines Handwerkszeug quasi. Aus den „Grundfarben“ Hoffnung (Mega) und Todessehnsucht (Hagen) kann man die benötigen Zwischentöne mischen.

Als zivilisierter Mensch widerstrebt es einem natürlich solche Szenen zu schreiben. Es tut körperlich weh und hinterher fühlt man sich schlecht, aber als Autor muss man hingehen, wo es weh tut. Wenn man sich zu fein ist, oder man es moralisch verwerflich findet die Perspektive eines Kannibalen einzunehmen, dann ist Autor die falsche Berufswahl. Ohne das (aus zivilisierter Sicht) Böse und Widerwärtige fehlt etwas. Das beschriebene Leben fühlt sich unvollständig an. Ich würde es noch drastischer formulieren: Beschönigt oder verschweigt der Autor bestimmte Wahrheiten, so lügt er.

Die andere Seite ist die Übertreibung. Bei mir kommt Gewalt nur dann vor, wenn sie dramaturgisch notwendig ist, um zum Beispiel eine Situation, oder eine Figur zu charakterisieren. Gewalt sollte nie Selbstzweck werden. Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, gerade unter Selfpublishern, die Gewalt drastisch und ausführlich schildern. Gewalt nutzt sich aber sehr schnell ab und wird noch schneller langweilig. Man sollte Schockeffekte dosiert und pointiert einsetzen. In der Ödland-Reihe habe ich versucht sie so drastisch und realistisch wie möglich einzusetzen, ohne sie zum Selbstzweck verkommen zu lassen.

 

 

Was ist denn als nächstes geplant? Hast du schon eine neue Idee und geht diese wieder in Richtung Dystopie?

 

Das ist genau die Entscheidung mit der ich mich zur Zeit rumschlage. Ich habe eine Reihe von Ideen, die meisten sind jedoch in einem sehr frühen Stadium, nicht mehr als Skizzen. Ich müsste viel Zeit investieren, um sie zu Storylines auszugestalten. Generell stellt sich die Frage, was man nach einem (für meine Verhältnisse) großen Erfolg wie ÖDLAND seinen Lesern vorsetzen darf? Klar ist, ich möchte mir eine Auszeit vom ÖDLAND nehmen, um Ideen für den spin-off zu sammeln. Ich werde den Nachfolger der ÖDLAND-Reihe nicht übers Knie brechen, um möglichst schnell einen Roman nachlegen zu können. Dafür sind mir die Figuren und die Welt zu schade. Es lohnt sich die Geschichte weiterzuspinnen, davon bin ich überzeugt, aber alles braucht seine Zeit.

Ich überarbeite im Moment ein altes Drehbuch, dass ich damals für ÖDLAND liegengelassen habe und gestalte es zu einer Storyline für einen Roman aus. Ich liebe das Sujet. Wenn ich ehrlich bin, ist es das erste mit dem ich mich intensiv beschäftigt und für das ich umfangreich recherchiert habe. Ich habe meinen ersten Preis mit ihm gewonnen (auf meinem Youtube-Kanal findet man die Interviews) und den „Verlag“ nach ihm benannt: LUCID DREAMS.

In luziden Träumen sind sich Träumer bewusst, dass sie träumen. Sie können das Aussehen des Traums beeinflussen und ihre Handlungen steuern. Ich hatte in meiner Kindheit luzide Träume und bin seither fasziniert von ihnen. Mir schwebt eine Mischung aus Fantasy- und SF-Elementen vor und eine Konstellation ähnlich der in der Unendlichen Geschichte: Die fantastische Reise eines Mädchens, in die gefährliche Welt ihrer Träume.

 

Vielen lieben Dank an dich, lieber Christoph, für das schöne Interview! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

GEWINNSPIEL

 

Anlässlich des Interviews verlost Christoph über meinen Blog drei signierte Taschenbücher von Ödland I, mit persönlicher Widmung und coolen Postkarten!

Um an dem Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr folgende Frage beantworten:

Aus welchen zwei Hauptperspektiven wird die Geschichte erzählt?
Die Antwort dazu findet ihr im Interview.

 

Ihr habt drei Möglichkeiten am Gewinnspiel teilzunehmen.

  1. Hier auf meinem Blog die Frage beantworten.
    (Falls ihr den Kommentar nicht seht, nachdem ihr ihn abgeschickt habt: ich muss diesen erst als Admin freigeben, da sich sonst hier die Spam-Kommentare häufen würden, also keine Panik)
  2. Gebe dem Gewinnspiel-/Interviewbeitrag auf meiner Facebook Seite ein Like und hinterlasst dort ebenfalls die Antwort auf die Gewinnspielfrage.
  3. Liket den Gewinnspiel-/Interviewbeitrag auf Instagram und hinterlasst auch dort die Antwort auf die Gewinnspielfrage.

Insgesamt könnt ihr also mit drei Losen an dem Gewinnspiel teilnehmen.
Die Gewinnspielbeiträge von Facebook und Instagram habe ich euch weiter unten verlinkt.

 

GEWINNSPIELBEDINGUNGEN (bitte genau durchlesen!)

 

Zeitraum: bis zum 21. Juni 2019 23:59Uhr
Versand: innerhalb Deutschlands
Gewinnbekanntgabe: in den Kommentaren diesen Beitrags, des Beitrags auf Facebook und Instagram
– Es erfolgt keine Barauszahlung des Gewinns.
– Mit eurer Teilnahme seid ihr damit einverstanden, dass ihr im Falle des Gewinns namentlich auf Instagram, Facebook und diesem Blog genannt werdet.
– Außerdem seid ihr damit einverstanden, dass ihr euch im Falle eines Gewinns bei mir (Sonja) per Mail meldet, mir eure Adresse zusendet und den Widmungswunsch zu schickt und ich diese Informationen an Christoph weiterleite, damit er euch den Gewinn zuschicken kann.
Die Emails/eure Adresse wird nur solange gespeichert, bis der Gewinn versendet ist.
– Ihr seid über 18 Jahre alt oder habt die Einverständniserklärung eurer Eltern.
– Der/ Die Gewinner/in wird nach der Auslosung unter dem Kommentar benachrichtigt und meldet sich innerhalb von 48 Stunden bei mir (dreamsbooksandfantasy@gmail.com) und teilt mir seine Adresse mit.
Sollte sich der/die Gewinner/in nicht innerhalb von 48 Stunden melden, wird neu ausgelost.
– Weder Facebook, noch Instagram hat etwas mit diesem Gewinnspiel zu tun.

 

Hier die weiteren Gewinnspielbeiträge:

Facebook

Instagram

15 Kommentare

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